Christoph Strünke

CO2 – eine Bilanz ganz konkret aus Sieben Linden. Ah‘s, Oh‘s und Erkenntnisse aus einer wissenschaftlichen Studie nun schwarz auf weiß!

 

Das Ökodorf Sieben Linden strebt einen Lebensstil an, der beispielhaft ist für ein Leben, das allen Menschen auf der Erde ein Überleben garantieren könnte und dass dabei die CO²-Belastung für den Planeten in einem vertretbaren Rahmen bleibt.

 

Die Spuren, die unser Leben in der Ökologie der Erde hinterlassen, werden „ökologischer Fußabdruck“ genannt. Dem Ökodorf Sieben Linden ist es ein Herzensanliegen, seinen Fußabdruck nicht nur zu schätzen, sondern auch wissenschaftlich erfassen zu lassen, um so ein fundiertes Feedback ihres Lebensstils zu erhalten.

 

Die Technische Universität Turin in Italien hat 2014 die entsprechenden Daten erhoben, ausgewertet und 2019 im Rahmen einer Publikation veröffentlicht:
Andrea Bocco, Martina Gerace and Susanna Pollini. The Environmental Impact of Sieben Linden Ecovillage. (http://oapen.org/search?identifier=1002649)

 

Die Grafik zeigt, dass das Ökodorf Sieben Linden auf dem richtigen Weg ist: Mit allem, das die Dorfbewohner*innen durch ihr Handeln direkt vor Ort beeinflussen können, liegt der CO2-Fußabdruck bei nur 27 % des bundesdeutschen Durchschnitts.

 

Wenn man den Anteil an der relativ hohen Grundlast, der durch die öffentliche Infrastruktur, Schulen, Krankenhäuser, Militär, Straßen, etc. produziert wird, hinzurechnet, liegt der CO2 –Fußabdruck bei 50% des Bundesdurchschnitts.

 

Was bedeutet dies? Die Studie zeigt auch auf, dass diese Aktionen längst nicht ausreichen, will man die Klimaziele mit 2 °C erreichen. Was die verträgliche Menge CO² ist, die ein Mensch dafür ausstoßen dürfte, darüber gibt es unterschiedliche Lehrmeinungen. Aber für das 2 °C-Ziel dürfte es wohl maximal eine Tonne CO2/Person/Jahr sein. Der Studie ist zu entnehmen, wo das größte Handlungspotential für eine Verringerung des ökologischen Fußabdruckes liegt:

 

Im Ökodorf Sieben Linden ist es hauptsächlich die Mobilität, bei der die Bewohner*innen wirklich noch substantielle Einsparungen erreichen können. Allerdings ist dies das Thema, bei dem die Umsetzung sehr schwer ist. Manchmal geht es um die Wahl des Verkehrsmittels, und darum, in dieser ländlichen Region mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto zu fahren – hier ist noch Potential. Aber die wirklichen Einsparungen kämen durch weniger Reisen. Das kollidiert dann aber auch mit dem Anspruch dieses Dorfes, ganz bewusst nach außen zu wirken, sich v.a. deutschland- und europaweit zu vernetzen, von anderen Projekten zu lernen und Erfahrungen an andere Projekte weiter zu geben.

 

Interessanterweise liegt ein weiteres, wichtiges Handlungspotential für die Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks außerhalb des Dorfes, denn alleine der „öffentliche Fußabdruck“, die Grundlast, beträgt ca. 4 Tonnen CO2-Äquivalent pro Person!

 

Hier wird deutlich, dass der Weg, sein eigenes Alltagshandeln zu verbessern, seine Grenzen hat, und flankiert werden muss durch politisches Handeln und ein Wirken in die Gesellschaft. Das Ökodorf Sieben Linden hat sich z.B. in den vergangenen Jahren sehr stark für die Entwicklung des Strohballenbaus eingesetzt, der im Vergleich zu anderen Häusern einen sehr geringen ökologischen Fußabdruck bewirkt. Das weitere Engagement für den Strohballenbau kann dazu führen, dass mehr und bessere hochgedämmte Häuser gebaut werden. Ein weiteres Beispiel: Wenn die Bewohner*innen durch deren Engagement im Gemeinderat mit für eine energieeffiziente Straßenbeleuchtung sorgen, dann kann das Ökodorf Sieben Linden mit dazu beitragen, dass der Fußabdruck der Grundlast in Deutschland sinkt.

Mehr Informationen gibt es unter: