Erlebnisse und Gedanken einer Forumsleiterin aus dem ZEGG bei ihren Seminaren in Brasilien

„Es ist eine ganz besondere Magie in dem Kreis: Ich darf mich ganz zeigen, bin angenommen und wir fühlen miteinander. Das hat mich völlig beeindruckt, denn da wächst für mich Vertrauen und Hoffnung. Wenn Menschen so zusammenkommen, entstehen ganz neue Wege. Dafür möchte ich mich einsetzen.“

Dieses Fazit machte ein Teilnehmer der Forumsausbildung „Kreise des Vertrauens“ in Brasilien.

Das Forum ist ein Kommunikationsprozess, der seit den 1980er Jahren im Projekt MEIGA und später in der Gemeinschaft ZEGG kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Er wird heute in vielen Lebensgemeinschaften genutzt, um die Kommunikation zu vertiefen, Vertrauen zu schaffen und Konflikten vorzubeugen. Ita Gabert, aus dem Ökodorf Sieben Linden, arbeitet seit vielen Jahren in Brasilien mit Gemeinschaften und Gruppen und war überzeugt: Auch dort braucht es strukturiertere Formen, miteinander tiefer zu kommunizieren, damit Gemeinschaftsprojekte besser gelingen. In einem Workshop bei Joanna Macy, traf ich sie bei einer Visionsübung. Ich hatte bereits einige Jahre in Spanien Forumsworkshops geleitet und erste Erfahrungen damit in Kolumbien und Ecuador gemacht. Wir merkten, dass wir einen gemeinsamen Traum hatten: in Lateinamerika unser Wissen und unsere Erfahrung aus unseren Gemeinschaften weiterzugeben. Wir taten uns zusammen und entwickelten einen 10tägigen Gemeinschaftskurs für Projekte in Brasilien.

In diesem Gemeinschaftskurs gibt es, neben theoretischen Inputs, immer wieder das Forum als Raum, indem wir gemeinsam Themen des Menschseins erforschen. Konfliktthemen wie Macht, Geld, Beziehungen, Liebe werden auf einer tieferen Ebene und in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang beleuchtet. Im urteilsfreien „Kreis des Vertrauens“ gehen Teilnehmende in die Mitte und zeigen sich mit dem, was in ihnen lebendig ist. Auf der Basis von selbstverantwortlicher Forschung und Authentizität darf alles sein, was ist – und so entsteht, durch Annahme  und Zeugenschaft, in festgefahrenen Situationen ein Veränderungsimpuls. Unterstützt wird dieser durch Feedbacks (Spiegel) der anderen Gruppenteilnehmer*innen.

Spannend waren immer wieder die anderen kulturellen Bedingungen. Auf einer oberflächlichen Ebene sind Lateinamerikaner*innen ja viel herzlicher und offener. Es zeigte sich allerdings im Seminarsetting, dass sich die Hemmschwelle, sich zu zeigen, bedeutend schnell größer wird, sobald es an schwierige Themen geht. Und bei Feedbacks ist die Angst der Teilnehmenden vor klaren Rückmeldungen dann sehr ausgeprägt.  Ein klares NEIN existiert kulturell gesehen gar nicht. In einem Workshop, in dem es um klare Kommunikation geht, ist das natürlich wichtig. Und auch bedenkenswert, denn wir können ja auch nicht einfach unsere Erfahrungen in einen anderen Kontext pflanzen. Ita und ich passten einiges im Prozess an. Insgesamt war bei den Brasilianer*innen die Sehnsucht nach wahrhaftigen Kommunikationsräumen sehr groß und die Dankbarkeit der Teilnehmenden der Motor für die nächsten Experimente.

Die Südamerikaner*innen wollten dann auch selbst Forum anleiten können – und so entstand eine Forumsleitungsausbildung mit 30 Tagen Kurs und 45 Stunden Praxiszeit, die 2018 das erste Mal stattfand und jetzt im Februar ihr Abschlussmodul hatte. Kurz danach ging bereits eine zweite Gruppe an den Start. Inhaltlich angelehnt haben wir uns an die Forumsleitungsausbildung, die ich mit Achim Ecker in Spanien durchführe (und die er wiederum in den USA mit Ina Meyer Stoll entwickelt hatte, die ihrerseits von Dolores Richter u.a. inspiriert wurde, etc.) Es flossen viele der Übungen und Erfahrungsräume ein, die Ita und ich als aktiv Forschende während unserer insgesamt 35 Jahre Gemeinschaftsleben gemacht haben.

„Welche Menschen kommen denn zu Euren Kursen?“, werde ich immer wieder gefragt. Es sind natürlich zum einen Menschen aus bestehenden Lebensgemeinschaften, aber auch viele andere, die mit Menschen und in Gruppen arbeiten. Wir sind stolz über ihre Unterschiedlichkeit: von der Regierungsangestellten bis hin zu Multiplikator*innen in Favelas (Slums), für die wir Spendensammlungen machen, um ihre Kurse zu finanzieren.

Für mich selbst sind Reisen mit dem Forum eine willkommene Art, unterwegs zu sein. Denn schon immer interessieren mich in einem Land weniger die Orte und Gebäude, als vielmehr die Menschen, Denkweisen, Lebensentwürfe, Erfahrungen. Ein Kurs, der genau dies in den Mittelpunkt stellt, ist da natürlich auch für mich ein Geschenk. Und es ist eine wunderbare Erfahrung, dass Essenzen, die wir in unseren Gemeinschaften in langjährigem Forschen erarbeitet haben, auch in anderen Kulturen Menschen bereichern können.

Lebensgemeinschaften verstehen sich oft als Modellprojekte – dort wollen wir im Kleinen Dinge erforschen, die wir auch im allgemeinen gesellschaftlichen Kontext für wichtig erachten: von der Implementierung ökologischer Innovationen über effektivere Organisationsformen bis hin zu Kommunikationsprozessen. Und oft ist es so zeitaufwändig, all diese Dinge umzusetzen, dass dann wenig Zeit bleibt, die Ergebnisse auch noch weiterzugeben. In dem Sinne bin ich dankbar für all die Menschen, die im ZEGG gerade die Grundstruktur halten und verbessern, während ich den Winter im sonnigen Süden verbringen konnte.

Mehr über das Forum: www.zegg-forum.org

Barbara Stützel  (ZEGG)

Viele Köche… vernetzen sich! Auf den GEN Küchentreffen geht es rund, rund um Lebensmittel, Preise, Herstellung von neuen ess- und trinkbaren Produkten, Kochen für Großveranstaltungen und vieles mehr.

Richtig gemütlich und persönlich ging es zu bei unserem dritten GEN-Küchentreffen im Februar im tief verschneiten und malerischen Sulzbrunn im Allgäu. Wir waren eine kleine Gruppe von Köch*innen aus Sulzbrunn, Tempelhof, Niederkaufungen, Kommune Lossehof, dem ZEGG und dem Lebensbogen. Gemeinsam haben wir gekocht und erfolgreich selbst Reismilch hergestellt. Überdies erlebten wir einen spannenden Seminartag zum Thema Fermentation und unserem inneren „Bakteriengarten“, an dem auch Susanne Fischer-Rizzi teilnahm.

Fühlt sich fast schon an wie eine kleine Tradition: Das erste Köch*innen-Treffen fand im März 2017 im Tempelhof statt. Die Idee damals war, die Küchenteams der Gemeinschaften zu vernetzen und Erfahrungen auszutauschen. Ein weiterer Gedanke war, eine gemeinsame Austauschplattform einzurichten für helfende Menschen aus anderen Gemeinschaften, um sie in intelligenter Art und Weise bei Großveranstaltungen als „Gasthelfer*innen“ austauschen zu können.

Auch Themen wie die Zusammenarbeit von Seminarhaus und Landwirtschaft und die Vermarktung von eigenen Produkten im Gemeinschaftsnetzwerk waren Teil der Diskussion. Es bestand der Wunsch, dass die Küchenteams sich weiterhin einmal jährlich zusammenfinden. 2018 fand das Treffen dann im Lebensbogen, 2019 in der Gemeinschaft Sulzbrunn statt.
Thematisch haben sich die Treffen immer breiter aufgestellt. Schwerpunkte waren beispielsweise Bezugsquellen für Biolebensmittel in Großgebinden, Lust und Frust am Arbeitsplatz in der Großküche, Bio-Zertifizierung, Preise für mehr Nachhaltigkeit, Abrechnungsmodi für die Dienstleistung „Kochen“ in den Gemeinschaften, Hygienekontrollen, Bio-Zertifizierung, und vieles mehr.

Es gab jeweils eine themenspezifische Führung durch die Großküche, durch die man sich für die ganz praktischen Dinge des Alltags, z.B. zum Aufbau der Küche, Arbeitsabläufe, Umsetzung der Hygienevorschriften oder den verwendeten Geräten, inspirieren lassen konnte.

Die Köche und Köchinnen freuen sich auf das nächste Treffen 2020 in Niederkaufungen.

Die GEN Gemeinschaften wollen keine abgeschotteten Inseln sein, sondern in die Öffentlichkeit wirken. Von-Dorf-zu-Dorf ergeben sich dafür viele Anknüpfungspunkte, und so findet ein erfolgreiches Projekt nun seinen Fortgang.

Bereits über zwei Jahre, von April 2017- April 2019, förderte das Umweltbundesamt das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“. Dabei kooperierten fünf GEN-Ökodörfer aus fünf deutschen Regionen als „Dorf-Tandems“ mit jeweils einem traditionell gewachsenen Dorf. Ziel dieser Zusammenarbeit war es, Entwicklungsimpulse für ländliche Gemeinden zu setzen, die mit Phänomenen wie Abwanderung, Überalterung der Bevölkerung, sozio-kulturellem Stillstand, Verlust an Kulturlandschaft und ökologischer Vielfalt kämpften. Es ging darum, das gemeinschaftliche, bürgerliche Handeln in den Dörfern zu fördern. Dazu gehörte auch, eine Situationsanalyse der Dörfer hinsichtlich der vier Nachhaltigkeitsdimensionen (Soziales, Kultur, Ökonomie und Ökologie) anzufertigen und individuelle Nachhaltigkeitspläne zu erstellen, fortzuschreiben und umzusetzen. Traditionelle Dörfer und Ökodorf-Gemeinschaften lernten von- und miteinander und viele Projekte zeigten, wie sich eine nachhaltige und gemeinschaftliche Zukunft gestalten könnte. Die Bürger*innen setzten spannende Ideen vor Ort um.
Beispiele sind der Aufbau der Arbeitsgemeinschaft „Nachhaltiges Ziegenhagen“, die Wiederbelebung einer Streuobstwiese, der Bau eines „Mitfahr-Bänkle“ und die Erweiterung eines Regionalladens. Derzeit wird an einer öffentlich zugänglichen Publikation gearbeitet, die diese Dorf-Tandem-Projekte detailliert auswertet.

Vorbehaltlich einer Förderung durch das Umweltbundesamt, werden nun einige GEN Ökodörfer von Mai 2019 bis Februar 2021 Zeit haben, sich weiter für eine nachhaltige Entwicklung innerhalb solcher Dorf-Tandems zu engagieren. Gespräche mit Dorfbewohner*innen haben gezeigt, dass für nachhaltige, gemeinschaftliche Projekte und ihrer Umsetzung häufig ein Treffpunktsort und auch die Kultur für das Zusammenkommen der Menschen in den Dörfern fehlt. So legt das anlaufende Folgeprojekt zwei Schwerpunkte: Zum einen verfolgt es die Entwicklung und Fortschreibung der Nachhaltigkeitsevaluationen und -pläne, zum anderen fokussiert es die „Wiederbelebung der Selbstorganisation der gewachsenen Dörfer“.

Am „Leben in zukunftsfähigen Dörfern II“ beteiligen sich in der zweiten Runde vier Dorf-Tandems:

  • LebensGut Cobstädt und Seebergen
  • Mittendrin Leben und Harmstorf (Die Gemeinschaft „Mittendrin Leben“ wird im kommenden Netzwerktreffen von GEN-Deutschland vom 13.6.-16.6.2019 im GEN Netzwerk aufgenommen)
  • Schloss Tempelhof und evtl. das Dorf Hülen
  • Ökodorf Sieben Linden und ein Dorf aus der Region, das derzeit noch gesucht wird

Neues Element in dem Vorhaben ist der Aufbau einer Bildungsplattform mit dem bisherigen Arbeitstitel „GEN-Akademie“. Die Erfahrungen aus dem Vorgängerprojekt sowie aus bestehenden Öko-Dörfern und Good-Practise-Dörfern werden dort einer breiten Öffentlichkeit, insbesondere engagierten Dörfern und der ländlichen Regionalpolitik, angeboten. An dieser Stelle kommen alle GEN Deutschland-Mitgliedsgemeinschaften mit ihren Seminaren und Bildungs-Kompetenzen ins Spiel! Die neue Internetplattform zeigt dann gut strukturiert und mit motivierenden Inhalten die vielfältigen Lernansätze „gelebter Nachhaltigkeit vor Ort“. Auch werden dort fachliches Wissen und Kompetenzen durch Veranstaltungen, Seminare und einen Pool an Fach-Referent*innen/Expert*innen gebündelt. Während der Projektlaufzeit soll die Akademie bereits in eine Pilotphase übergehen, um Resonanz und Wirksamkeit in der Öffentlichkeit zu testen.

Simone Britsch, Bildungsreferentin im Ökodorf Sieben Linden und Verantwortliche für den Aufbau der GEN-Akademie, wird demnächst auf die Verantwortlichen der Tagungshäuser und andere in der Bildungsarbeit aktive Menschen zukommen. Im Rahmen des GEN Deutschland-Netzwerktreffens im Juni soll eine erste Zusammenkunft organisiert und ein Grundstein für diese langfristige Idee gelegt werden in der Hoffnung, noch ausstrahlender in die Welt wirken zu können.

Und schließlich wird der Vernetzung im neuen Projektabschnitt ein großer Stellenwert beigemessen: Viele Organisationen und andere Projekte beschäftigen sich mit der Förderung ländlicher, nachhaltiger Entwicklung. Für einen inspirierenden Austausch und die Möglichkeit, voneinander zu lernen (Stichwort „Schulterschluss“), werden die Projektpartner „Leben in zukunftsfähigen Dörfern II“ auch dafür nutzen, diese Akteure zu gemeinsamen, bundesweiten Treffen einzuladen.

Und wer wird diese Arbeit umsetzen?
Das Team besteht aus:

Projektleitung:

  • Christoph Strünke, Ökodorf Sieben Linden, für die Dorftandems und die bundesweite Vernetzung
  • Simone Britsch, Ökodorf Sieben Linden, für die GEN-Akademie

Vor-Ort-Koordinator*innen:

  • Stefanie Raysz, Schloss Tempelhof
  • Thomas Penndorf, LebensGut Cobstädt
  • Juliana Mausfeld, Mittendrin Leben
  • Stefan Althoff, Ökodorf Sieben Linden

Buchhaltung:

  • Chironya Stanellé, Ökodorf Sieben Linden

Für den Lenkungskreis von GEN Deutschland ist Thomas Meier der Ansprechpartner.

Erste Termine werden sein:

  • 06.-08.05.: 1. Projektteam-Treffen im Ökodorf Sieben Linden
  • 19.-21.05.: Auftaktveranstaltung in Seebergen
  • 13.-16.06.: Treffen während des Netzwerktreffens von GEN Deutschland im Lebenslernort am Windberg

Weitere Informationen zum Vorgängerprojekt sind unter
gen-deutschland.de/projekte/projekt-leben-in-zukunftsfaehigen-doerfern
zu finden.

Die Projektleitung freut sich auf eine inspirierende Zeit mit den Dorftandems und beim Aufbau der GEN-Akademie!

Christoph Strünke, Simone Britsch

Nara Petrovič, 25.1 2019

We are witnessing a global epidemic of individualism.
Communities are disintegrating everywhere. When individuals do come together, trying to rebuild communities, they are usually not up to the task. More than 90% of community-building attempts fail. To address this problem, experienced community workers from around Europe created a community incubation programme, CLIPS, funded by ERASMUS+ from 2015 to 2017. CLIPS stands for Community Learning Incubator Programme for Sustainability.

To develop the community incubation programme further, 24 representatives of community organisations from 10 European countries met from January 21 to 25, 2019, at Sunny Hill Association in Slovenia, launching the CLIPS 2 project, funded by ERASMUS+.

There was a clear sense among participants that community is not a luxury, or at least it shouldn’t be. Being part of networks of meaningful relationships is a basic human need. „Community“ is „human being“ in plural, and vice versa, „human being“ is singular of „community“. Our global responsibility is not only to preserve endangered species and ecosystems, but also to preserve the richness of our communities.

Facilitating community building, and quality group work in general, is called for by hundreds, if not thousands, of projects across Europe. The community incubation programme is therefore consolidating innovative methodologies and processes to support diverse groups.

By now community incubation have become rooted in many countries in Europe since CLIPS 1 project ended. CLIPS 2 is going to finetune the incubation programme and spread it further to better serve the real needs of community projects.

Strong communities are the basis of resilience in face of social crises and climate change.

The meeting in Slovenia reassured the participants, community incubation is not only necessary, it is urgent. The community of practice was created, since teaching community building requires walking the talk.

We can only hope that the community incubation programme will contribute to healing the global epidemic of individualism and help communities thrive – both old and new. We also hope group projects will find the community incubator valuable and widely applicable.

Contact person:

Kariin Ottmar / CLIPS trainer
Ecovillage Sieben Linden, germany

kariin@gen-europe.org

von Stella Veciana.


 Das vom Umweltbundesamt geförderte Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ beabsichtigt die seit Jahrzehnten weltweit gesammelten Erfahrungen des Ökodorf-Netzwerkes GEN in fünf partnerschaftlichen Kooperationen zwischen jeweils einem Ökodorf und einem gewachsenen Nachbardorf verfügbar zu machen.

 

Zielgruppe des von GEN Deutschland e.V. initiierten Projekts sind ländliche Gemeinden, in welchen Abwanderung und Überalterung, Verlust an Kulturlandschaft und ökologischer Vielfalt sowie soziale und kulturelle Stagnation zu einer schleichenden Not der Bevölkerung sowie ihrer natürlichen Lebensgrundlagen führen. Von einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz ausgehend und mit einem praxisnahen Methoden-Werkzeugkasten arbeitend, unterstützt die Initiative Möglichkeiten einer Trendwende auf dem Lande etwa in Form eines Dorfgemeinschaftshauses, eines Bio-Dorfladens, einer Mitfahrbank oder ortsteileigener Pflanzenkläranlage.

In der ersten Projektphase wurde in interaktiv gestalteten Workshops eine „Nachhaltigkeits-evaluation“ der zehn bundesweit teilnehmenden Dörfer vorgenommen. Die Struktur dieser Bestandsaufnahme beruht auf dem Nachhaltigkeitsdiagramm von GEN: den vier Dimensionen der Nachhaltigkeit, die jeweils in sechs Nachhaltigkeitskriterien unterteilt sind. Zu jedem Nachhaltigkeitskriterium, beispielsweise „nachhaltige Mobilität“, wurden die jeweiligen Herausforderungen, Stärken und Ideen im Dorf ermittelt, um ein Gesamtbild des dringendsten Handlungsbedarf im ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Bereich festzustellen. Als größter Handlungsbedarf der gewachsenen Dörfer ergab sich im Bereich Ökologie die „nachhaltige Mobilität“, bei Ökonomie „lokales Wirtschaften“, im Sozialen „transparente und inklusive Entscheidungsprozesse“ und bei Kultur eine „Gemeinsame Ausrichtung“.

In der zweiten Projektphase wurden unter Einbeziehung lokaler Akteur*innen und regionaler Partner*innen konkrete Umsetzungsideen für Projekte in Form von “Dorf-Nachhaltigkeitsplänen” entwickelt. Diese wurden als partizipativer, sich kontinuierlich weiter entwickelnder Dorf-Aktionsplan konzipiert. Das neuartige Dorfentwicklungs-Werkzeug dient dem Aufbau langfristiger, befruchtender, persönlicher und institutioneller Kooperationsbeziehungen. In den Nachhaltigkeitsplänen der fünf gewachsenen Dörfer wurden insgesamt 41 Projektideen und fünf Modellprojekte beschrieben und die Wirkung jedes Projektes auf die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit ausgewertet.

 

Insgesamt fanden in den Dörfern im Rahmen des Projekts „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ 77 lokale Veranstaltungen mit ca. 1 600 Teilnehmer*innen sowie sechs bundesweite Veranstaltungen mit ca. 150 Teilnehmer*innen statt. In der in Berlin stattfindenden Abschlusskonferenz im September 2018, wurden die Projektergebnisse und -Kernthesen für eine nachhaltige Dorfentwicklung vorgestellt und diskutiert. Hervorgehoben wurde u.a. die Relevanz einer bundesweiten Netzwerkbildung durch einen Schulterschluss der Initiativen für eine zukunftsfähige Dorfentwicklung. Das gelungene Experiment wurde mit einer durch das Umweltbundeamt finanzierte Projektverlängerung bis Ende Februar 2019 gekrönt, während der ein Spielkarten-Set für die Bestandsaufnahme gestaltet und eine Veröffentlichung entstehen sollen. Letztere wird die gewonnen Projekt-Erfahrungen hinsichtlich des Projektprozesses und der Rolle der „Pioniere des Wandels” zusammenfassen.

Die vom Projekt entwickelten Instrumente der Dorfentwicklung finden ein ausgesprochen reges Interesse bei Dorfbewohnern sowie Vertreter aus Politik und Wissenschaft wo immer sie auch präsentiert wurden, vom Netzwerk21Kongress in Dessau bis zur Konferenz: “Entvölkerung auf dem Lande – das Verlassene wieder zum Leben bringen” in Pamplona, Spanien. Als nächstes wird das Projekt auf der Konferenz der Akteure 2019 in Berlin am 29. November 2019 vorgestellt werden.

Alle Ergebnisse sowie ein Film über das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ (siehe auch: https://vimeo.com/292687065) sind auf der Website des Projekts zum Download verfügbar. Hier finden sie einen ausführlicheren Artikel. Für Fragen wenden Sie sich gerne an: uba@gen-deutschland.de

Link zu Artikel: Veciana, S. / Strünke, C. (2018): „Leben in zukunftsfähigen Dörfern. Ein Modellprojekt zur Unterstützung nachhaltiger ländlicher Entwicklung”. In: Neue Ansätze für die Dorf- und Regionalentwicklung, Agrarsoziale Gesellschaft e.V. ASG, Göttingen, 03/2018, S. 26-29.

Bericht vom NextGEN Treffen in Sulzbrunn vom 22.-24.05.2018

Vor dem GEN Deutschland Netzwerktreffen in Sulzbrunn haben sich 15 junge Menschen aus unterschiedlichen Projekten, die sich für einen alternativen Lebens- und Bildungsweg einsetzen, getroffen. Neben jungen Menschen aus Gemeinschaften, Ökodorfern und Kommunen waren auch Menschen der ReiseUni, MOVE Utopia und ProjectPeace zum Netzwerken vertreten.

Die Motivation uns untereinander zu vernetzen und gemeinsame Projekte zu entwickeln hat uns zuammengebracht. NextGEN in Deutschland sichtbar zu machen und zu etablieren sowie uns zu verbinden und auszutauschen war und ist unser Wunsch. Neben viel Austausch über Visionen, Motivationen, und unseren Platz in Gemeinschaft haben wir Ideen entwickelt, den Weg für junge Menschen in Gemeinschaften zu erleichtern. Einige davon waren Ausbildungsplätze in Gemeinschaften zu etablieren, Junior-Genoss*innenplätze anzudenken oder Beratung für Interessierte anzubieten.

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, mit NextGEN Deutschland ein regionaler Verknüpfungspunkt der jungen Menschen zwischen den Gemeinschaften, Projekten und unterschiedlichen Bewegungen zu sein. Uns ist wichtig die NextGEN Gruppe nicht auf Alter festzulegen und doch beschäftigen wir uns primär mit den Themen der jungen Menschen rund um Gemeinschaft.

Im Rahmen des Treffens hat sich eine Kerngruppe gebildet, die sich regelmäßig treffen wird, um die Themen weiter zu bearbeiten, ein Netzwerktreffen nächstes Jahr initiieren wird, sowie als klare Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Diese Kerngruppe besteht aus Rosa (Schloss Tempelhof), Karina (Sieben Linden), Luisa (Villa Locomuna), Johannes (ReiseUni), Joachim und Marc. Als direkte Verbindung in den Lenkungskreis der soziokratischen Vereinsstruktur haben wir Luisa als Delegierte des Arbeitskreises Soziales gewählt.

Unser Treffen ging fließend über in die Mitgliederversammlung und das Netzwerktreffen von GEN Deutschland. Dort hatten wir die Möglichkeit, die bewegten Themen u.a. durch Workshops zu vertiefen und sichtbar zu machen.

Voller Motivation und Energie von den beiden Netzwerktreffen freuen wir uns auf gemeinsame Projekte und die dadurch entstehenden Verbindungen!

Herzlichst,

Karina und Rosa

Das GEN-Küchentreffen 2018 fand vom 5. – 7. Februar in der Gemeinschaft Lebensbogen in Zierenberg statt.
Unterstützt von den kraftspendenden Helfensteinen wurde der Auftritt der Küchenvertreter der GEN-Gemeinschaften auf der wechange-Plattform gestaltet und an den Start gebracht. So funktioniert die Vernetzung auch im Alltag und macht die Planung für das nächste Treffen einfacher.

Einigkeit gibt es bei allen Teilnehmenden, dass auch für das nächste Jahr ein Treffen anberaumt wird.

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Im Februar 2017 fand das erste Vernetzungstreffen der Küchenteams von GEN Mitgliedsgemeinschaften am Tempelhof statt. Die Themen waren sehr vielfältig und reichten vom Umgang mit Sonderkost, Finanzen und Abrechnungsmodalitäten, Arbeitszeiten, Hygiene und Sicherheitsbestimmungen, über Bio-Zertifizierung, Kompostierungsmethoden, Zusammenarbeit mit eigenen solidarischen Landwirtschaftsbetrieben, bis hin zu Fragen zu LieferantInnen, Lagerhaltung, Haltbarmachung, Geräteeinsatz, und zur Resteverwertung.

Neben inhaltlicher Arbeit in Kleingruppen je nach Interessenslage gab es Zeit für den persönlichen Austausch und das Teilen von Erfahrungen aus dem besonderen Arbeitsumfeld „Gemeinschaft“. Insbesondere dieser Aspekt des kollegialen Zusammenkommens wurde sehr geschätzt, da die Fragestellungen für Kochteams in Gemeinschaften grundsätzlich anders sind als im normalen Berufsfeld Koch/Köchin.

Vom 24. bis zum 27. 05. 2018 fand das diesjährige Sommertreffen in der jungen Gemeinschaft in Sulzbrunn statt. Es war ein lebendiges Miteinander von Menschen aus unseren Mitgliedsgemeinschaften und von am Gemeinschaftsleben interessierten Menschen.

Die GEN Deutschland Mitgliedsgemeinschaften treffen sich einmal jährlich im Herbst intern für 3-4 Tage, um ihre innere Basis als Netzwerk zu stärken und die Verbindung zwischen den Mitgliedern zu vertiefen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem gegenseitigen Kennenlernen, dem Austausch von Erfahrungen aus dem Gemeinschaftsalltag und dem gemeinsamen Lernen, wie unsere Gemeinschaften die nächsten Schritte zu einer nachhaltigeren Lebensweise bewältigen können.

Ein weiterer Aspekt der Treffen ist das Kennenlernen von Anwärtergemeinschaften, die Mitglied im Netzwerk werden möchten. Wichtig ist uns dabei eine gemeinsame Wertebasis für das gemeinschaftliche Leben.

In einem dichten gemeinsamen Raum entsteht Vertrauen und Nähe, so dass sich die Gemeinschaften mit allen Herausforderungen und Potenzialen zeigen können. Hieraus erwächst neue Energie und Schwung für die Aufgaben in der eigenen Gemeinschaft und Ideen für das weitere Wirken in die Welt.

2017 fand das Treffen in der Gemeinschaft Lebensbogen an den Helfensteinen statt. Neben einem fortgesetzten Austausch zu unseren Werten und Entscheidungskultur in Gemeinschaften, beschäftigten sich die Vertreter der Mitgliedsgemeinschaften mit der weitren Ausarbeitung der soziokratischen Struktur für GEN Deutschland und begannen die konkrete Arbeit in den vier fachlichen Arbeitskreisen Ökonomie, Ökologie, Soziales und Kultur/ Weltsicht.

Das nächste interne Treffen findet vom 18. – 21. 10. 2018 in der Gemeinschaft Nature Community statt.