Die GEN Gemeinschaften wollen keine abgeschotteten Inseln sein, sondern in die Öffentlichkeit wirken. Von-Dorf-zu-Dorf ergeben sich dafür viele Anknüpfungspunkte, und so findet ein erfolgreiches Projekt nun seinen Fortgang.

Bereits über zwei Jahre, von April 2017- April 2019, förderte das Umweltbundesamt das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“. Dabei kooperierten fünf GEN-Ökodörfer aus fünf deutschen Regionen als „Dorf-Tandems“ mit jeweils einem traditionell gewachsenen Dorf. Ziel dieser Zusammenarbeit war es, Entwicklungsimpulse für ländliche Gemeinden zu setzen, die mit Phänomenen wie Abwanderung, Überalterung der Bevölkerung, sozio-kulturellem Stillstand, Verlust an Kulturlandschaft und ökologischer Vielfalt kämpften. Es ging darum, das gemeinschaftliche, bürgerliche Handeln in den Dörfern zu fördern. Dazu gehörte auch, eine Situationsanalyse der Dörfer hinsichtlich der vier Nachhaltigkeitsdimensionen (Soziales, Kultur, Ökonomie und Ökologie) anzufertigen und individuelle Nachhaltigkeitspläne zu erstellen, fortzuschreiben und umzusetzen. Traditionelle Dörfer und Ökodorf-Gemeinschaften lernten von- und miteinander und viele Projekte zeigten, wie sich eine nachhaltige und gemeinschaftliche Zukunft gestalten könnte. Die Bürger*innen setzten spannende Ideen vor Ort um.
Beispiele sind der Aufbau der Arbeitsgemeinschaft „Nachhaltiges Ziegenhagen“, die Wiederbelebung einer Streuobstwiese, der Bau eines „Mitfahr-Bänkle“ und die Erweiterung eines Regionalladens. Derzeit wird an einer öffentlich zugänglichen Publikation gearbeitet, die diese Dorf-Tandem-Projekte detailliert auswertet.

Vorbehaltlich einer Förderung durch das Umweltbundesamt, werden nun einige GEN Ökodörfer von Mai 2019 bis Februar 2021 Zeit haben, sich weiter für eine nachhaltige Entwicklung innerhalb solcher Dorf-Tandems zu engagieren. Gespräche mit Dorfbewohner*innen haben gezeigt, dass für nachhaltige, gemeinschaftliche Projekte und ihrer Umsetzung häufig ein Treffpunktsort und auch die Kultur für das Zusammenkommen der Menschen in den Dörfern fehlt. So legt das anlaufende Folgeprojekt zwei Schwerpunkte: Zum einen verfolgt es die Entwicklung und Fortschreibung der Nachhaltigkeitsevaluationen und -pläne, zum anderen fokussiert es die „Wiederbelebung der Selbstorganisation der gewachsenen Dörfer“.

Am „Leben in zukunftsfähigen Dörfern II“ beteiligen sich in der zweiten Runde vier Dorf-Tandems:

  • LebensGut Cobstädt und Seebergen
  • Mittendrin Leben und Harmstorf (Die Gemeinschaft „Mittendrin Leben“ wird im kommenden Netzwerktreffen von GEN-Deutschland vom 13.6.-16.6.2019 im GEN Netzwerk aufgenommen)
  • Schloss Tempelhof und evtl. das Dorf Hülen
  • Ökodorf Sieben Linden und ein Dorf aus der Region, das derzeit noch gesucht wird

Neues Element in dem Vorhaben ist der Aufbau einer Bildungsplattform mit dem bisherigen Arbeitstitel „GEN-Akademie“. Die Erfahrungen aus dem Vorgängerprojekt sowie aus bestehenden Öko-Dörfern und Good-Practise-Dörfern werden dort einer breiten Öffentlichkeit, insbesondere engagierten Dörfern und der ländlichen Regionalpolitik, angeboten. An dieser Stelle kommen alle GEN Deutschland-Mitgliedsgemeinschaften mit ihren Seminaren und Bildungs-Kompetenzen ins Spiel! Die neue Internetplattform zeigt dann gut strukturiert und mit motivierenden Inhalten die vielfältigen Lernansätze „gelebter Nachhaltigkeit vor Ort“. Auch werden dort fachliches Wissen und Kompetenzen durch Veranstaltungen, Seminare und einen Pool an Fach-Referent*innen/Expert*innen gebündelt. Während der Projektlaufzeit soll die Akademie bereits in eine Pilotphase übergehen, um Resonanz und Wirksamkeit in der Öffentlichkeit zu testen.

Simone Britsch, Bildungsreferentin im Ökodorf Sieben Linden und Verantwortliche für den Aufbau der GEN-Akademie, wird demnächst auf die Verantwortlichen der Tagungshäuser und andere in der Bildungsarbeit aktive Menschen zukommen. Im Rahmen des GEN Deutschland-Netzwerktreffens im Juni soll eine erste Zusammenkunft organisiert und ein Grundstein für diese langfristige Idee gelegt werden in der Hoffnung, noch ausstrahlender in die Welt wirken zu können.

Und schließlich wird der Vernetzung im neuen Projektabschnitt ein großer Stellenwert beigemessen: Viele Organisationen und andere Projekte beschäftigen sich mit der Förderung ländlicher, nachhaltiger Entwicklung. Für einen inspirierenden Austausch und die Möglichkeit, voneinander zu lernen (Stichwort „Schulterschluss“), werden die Projektpartner „Leben in zukunftsfähigen Dörfern II“ auch dafür nutzen, diese Akteure zu gemeinsamen, bundesweiten Treffen einzuladen.

Und wer wird diese Arbeit umsetzen?
Das Team besteht aus:

Projektleitung:

  • Christoph Strünke, Ökodorf Sieben Linden, für die Dorftandems und die bundesweite Vernetzung
  • Simone Britsch, Ökodorf Sieben Linden, für die GEN-Akademie

Vor-Ort-Koordinator*innen:

  • Stefanie Raysz, Schloss Tempelhof
  • Thomas Penndorf, LebensGut Cobstädt
  • Juliana Mausfeld, Mittendrin Leben
  • Stefan Althoff, Ökodorf Sieben Linden

Buchhaltung:

  • Chironya Stanellé, Ökodorf Sieben Linden

Für den Lenkungskreis von GEN Deutschland ist Thomas Meier der Ansprechpartner.

Erste Termine werden sein:

  • 06.-08.05.: 1. Projektteam-Treffen im Ökodorf Sieben Linden
  • 19.-21.05.: Auftaktveranstaltung in Seebergen
  • 13.-16.06.: Treffen während des Netzwerktreffens von GEN Deutschland im Lebenslernort am Windberg

Weitere Informationen zum Vorgängerprojekt sind unter
gen-deutschland.de/projekte/projekt-leben-in-zukunftsfaehigen-doerfern
zu finden.

Die Projektleitung freut sich auf eine inspirierende Zeit mit den Dorftandems und beim Aufbau der GEN-Akademie!

Christoph Strünke, Simone Britsch