Christoph Strünke

Zusammen geht’s besser: Die Kooperationen von traditionellen und Ökodörfern für eine nachhaltige Lebensweise geht weiter. Bürgerpartizipation par excellence

 

Beim letzten Newsletter haben wir schon über das Projekt Leben in zukunftsfähigen Dörfern II – Lernorte für morGEN berichtet. Das Projekt ging im Frühjahr in die zweite Runde: Im April kam die Bewilligung vom Umweltbundesamt! Große Freude – nun konnte es losgehen!

 

Leben in zukunftsfähigen Dörfern:

Das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ unterstützt die Kooperation von fünf Dörfern aus bundesweit fünf verschiedenen Regionen mit einem regional ansässigen Ökodorf. Zielgruppe sind insbesondere ländliche Gemeinden, in welchen Abwanderung und Überalterung, Verlust an Kulturlandschaft und ökologischer Vielfalt sowie soziale und kulturelle Stagnation zu einer schleichenden Not der Bevölkerung sowie ihrer natürlichen Lebensgrundlagen führen. Ziel des Projektes ist es, die langjährigen Erfahrungen deutscher Ökodörfer in Form von partnerschaftlichen Kooperationen modellhaft für die nachhaltige Entwicklung bestehender Dörfer und Regionen verfügbar zu machen.
Die gemeinsame Kooperation für eine zukunftsfähige Dorfentwicklung soll es ermöglichen, übertragbare Erfahrungen zu sammeln und ein methodisches Vorgehen zu entwickeln, von dem letztlich zahlreiche weitere ländliche Gemeinden in vergleichbarer Situation Inspiration und Ermutigung erhalten können.

 

Schon direkt zu Projektbeginn haben sich die ProjektpartnerInnen und DorfbegleiterInnen Anfang Mai für das erste Team-Treffen im Ökodorf Sieben Linden eingefunden und sich besser oder überhaupt kennengelernt. Im Mittelpunkt stand auch die Frage, welche der (Dragon Dreaming) Qualitäten wir am ehesten verkörpern: Träumen, Planen, Handeln oder Feiern/Reflexion. Ein Aha-Erlebnis mit Schmunzelcharakter, denn die Erkenntnis daraus war fast klassisch deutsch: Planen und Handeln sind gut abgedeckt, Träumen ganz o.k., Feiern zu wenig … Nun wissen wir, worauf wir im Projektprozess besonders achten wollen!

Besonders interessant war bei dem Treffen auch die Reflexion des Vorgängerprojekts „Leben in zukunftsfähigen Dörfern I, für die Stella Veciana die Studienergebnisse sehr detailliert präsentierte. Der Fokus lag dabei auf einigen Empfehlungen für dieses neu anlaufende Projekt, z.B.: 1. vor der Durchführung der Bestandsaufnahme eine ausreichend lange Phase des Kennenlernens einplanen; 2. Veranstaltungen oder Aktionen durchführen, die den Austausch zwischen den Dörfern begünstigen; 3. den Fokus darauf legen, das Zusammengehörigkeitsgefühl, die sozialen Beziehungen, das gegenseitige Vertrauen sowie das Bewusstsein der eigenen Wirkungsmacht in der Dorfgemeinschaft ansprechen und bestärken

 

In Harmstorf, das Kooperationsdorf der Gemeinschaft „Mittendrin leben“ in der Nähe von Lüneburg, wurden viele konkrete Ideen gesammelt und einige kurzfristig umgesetzt: die Installation einer Telefonzelle als Bücherbörse, eine Obst- und Gemüsebörse, ein Dorfspaziergang u.a.

In Seebergen, Partnerdorf von Lebensgut Cobstädt, wurde die Idee von Mitfahrbänken sehr rege aufgegriffen und ist kurz vor der konkreten Umsetzung. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt weiterhin bei Baumpflanzaktionen; im Oktober wird ein Tag der Obstvielfalt gefeiert.

Nach längerer Suche ist nun Beetzendorf der Kooperationsort für das Ökodorf Sieben Linden. Mit dem gerade ambitionierten, neuen Sozialausschuss der Gemeinde werden in der nächsten Zeit die ersten gemeinsamen Aktionen festgelegt. Schwerpunkt der Zusammenarbeit wird voraussichtlich „Gesund leben in Beetzendorf“ oder die Nutzungsmöglichkeiten des stillgelegten Bahnhofs.
Hülen, bisheriges Kooperationsdorf der Gemeinschaft Schloss Tempelhof, hat seine Beteiligung aufgrund lokalpolitischer Differenzen innerhalb des Ortschaftsrats Ende September kurzfristig abgesagt. Auch das war ein spannender Prozess: Wie kann sich das Projekt auch denjenigen präsentieren, die ihm kritisch gegenüber eingestellt sind… Das Projektteam berät zurzeit, ob ein weiteres Dorf eingebunden werden kann.

 

Die nächsten Meilensteine werden das Projektteam-Treffen am 25.-27.10.19 in Heckenbeck sein und v.a. das bundesweite Vernetzungstreffen am 06.-08.03.2020 in der Gemeinschaft Lebensbogen. Für dieses Wochenende laden die Projektpartner viele Organisationen ein, die sich für eine ländliche nachhaltige Entwicklung engagieren.

 

Was lange währt, wird endlich gut: Nach vielen, sehr kreativen Diskussionen – auch während des GEN Deutschland Netzwerktreffens im Juni 2019 – haben wir nun einen neuen Titel für die geplante Bildungsplattform gefunden: Lernorte für morGEN…