Alternative Erziehung

In der Gemeinschaft Schloss Tempelhof fand im Februar der erste Block des Seminars „Transparents“ statt. Die gemeinschaftsübergreifende Elternschule richtet sich an Menschen, die in Gemeinschaft leben, und sich auf gemeinsames Wachstum und eine höhere innere Stimmigkeit im Sein mit den Kindern ausrichten (wollen).
Der Fokus des von Kirsten Timmer und Teresa Heidegger (TransParents) in zwei Teilen angebotene Seminar liegt auf den Möglichkeiten des Kinderaufwachsens, Bewusstseinswandel und der Beziehungs(fähigkeit). Es findet jeweils in einem anderen Gemeinschaftsprojekt statt.

31 Eltern und Erwachsene haben sich vier Tage Zeit genommen für diesen ersten Teil der Elternschule. Im Mittelpunkt standen Fragen wie z.B. „was bedeutet elterliche Führung?“, „wie schaffen wir ein sicheres und geborgenes Gemeinschaftsumfeld für unsere Kinder?““ oder „welchen bewussten Umfang brauchen Eltern mit ihren jungen Anteilen?“
Gemeinsam wurde geprüft, wer wir als Erwachsene sind, wie wir aus der Erziehung in die Beziehung kommen und mit den Kindern in unseren Gemeinschaften leben wollen, können und dürfen. In unterschiedlichen Settings und intensiven Diaden, Triaden und Gruppenarbeiten, haben wir unsere Erfahrungen darüber ausgetauscht.

Ich habe meine Ausbildung zum Erzieher 2014 abgeschlossen und viele Schattenseiten der Regelpädagogik erlebt. Oft habe ich mich gefragt, wie ich mit dem Herzen Kinder und Jugendliche begleiten kann, ohne meine Werte wie Nächstenliebe, Toleranz und Gerechtigkeit zu verlieren. Im pädagogischen Alltag bin ich an meine Grenzen gestoßen, Kinder und Jugendliche durften nicht sie selbst sein, sondern mussten häufig an die Gesellschaft angepasst werden. Die Anforderungen des Schulalltags gehen, so sehe ich das, auf Kosten des Kind-Seins.
Mit der Geburt unserer Tochter ist für mich klar geworden, dass ich mich nicht mehr „verbiegen“ möchte, um einem Konzept oder Leitbild zu folgen. Der erste Teil der gemeinschaftsübergreifenden Elternschule mit TransParents hat das nochmal sehr deutlich werden lassen.

Ich hoffe, dass es im Herbst zum zweiten Treffen im Lebenslernort am Windberg in Beichlingen/Thüringen noch mehr Menschen werden, die sich auf den Weg zu einer neuen Kultur des Zusammenlebens mit Kindern machen. Ich wünsche mir, dass dieser geschützte Raum für mehr Menschen erfahrbar wird. Wir wurden sehr achtsam an die Themen Kindheit, Bindung und Beziehung herangeführt und sind immer wieder in die Reflexion gegangen. Ich habe in den Übungen, den Gesprächen und Meditationen viel Gutes erfahren, Liebe gespürt und meine Begeisterung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wiederentdeckt. Eine Begeisterung, die im Laufe des Wochenendes zu einem regelrechten Feuer für die Kinder geworden ist. Alle, die ihre „inneren Kinder“ irgendwann irgendwo verlassen haben und die mit ihren kindlichen Bedürfnissen nicht wahrgenommen und gehört worden sind, waren mitgerissen.

Besonders bedeutsam wurde für mich der Begriff „Agency“ (Erwachsenen-Bewusstsein), dem ich bei diesem Seminar zum ersten Mal begegnet bin. Im gemeinsamen, achtsamen Forschungsraum, z.B. in der Rückschau auf konkrete Situationen mit unseren Kindern, wurde untersucht, wo wir unseren Handlungsspielraum im Kontakt mit anderen Menschen verlieren und was wir in diesen Momenten fühlen.

Viele Menschen betrachten den Erwachsenen hierarchisch als dem Kind übergeordnet. Reformpädagogen hingegen wollen hin zu einer bewussten liebevollen Führung. In diesem gewandelten Umfeld geht es um eine gleichwürdige Beziehung und ein nachhaltiges Bindungsangebot an unsere Kinder und Jugendlichen.

Durch die verschiedenen Gemeinschaften inspiriert, fand bei „Transparents“ auch ein reger Austausch zu Elternschulen, Bindungsabwehr, Gründung von Kindergärten und Hochsensibilität statt. Für mich ist während der Seminarzeit ein Feld der Unterstützung und Kooperation erfahrbar geworden. Das Wochenende hat mir in Erinnerung gerufen, wofür ich gehen will: Unsere Kinder sind die Zukunft, sie sind das Licht in dieser Welt, an dessen Wärme sich alle Generationen wärmen können. Wir alle mögen unterschiedliche Visionen haben, ob als Menschen oder als Gemeinschaften, aber unsere Kinder sind fester Bestandteil dieser Träume und Ideen für eine bessere Welt.

Simon Aettner, für den Lebenslernort am Windberg