Es bleibt alles anders: Wir haben es satt, das Nicht-Handeln von Regierungen, Organisationen und Konzernen. Uns steht das Wasser bis zum Hals. Wir gehen auf die Straße, wir sind gefordert. Was GEN Deutschland auch tut, hier von Eileen Emmrich…

Im Mai kamen auf dem Symposium „Rebell*innen des Friedens“ Menschen aus spirituellen und politisch-aktivistischen Bewegungen in Sulzbrunn zusammen und es wurde klar: Wir müssen uns zusammenschließen, um die Umweltkatastrophe, die gerade nahezu ungebremst das Leben von immer mehr Menschen zerstört, aufzuhalten.

Viele junge Menschen politisieren sich und sind auch bereit, durch zivilen Ungehorsam auf das Nicht-Handeln von Regierungen, Organisationen und Konzernen aufmerksam zu machen und die Zerstörung aufzuhalten. Durch Blockadeaktionen, Streiks und andere kreative Protestformen setzen sich Aktivisti für das Leben ein. Diese Aktionen sind oft sehr anstrengend, belastend und manchmal sogar traumatisierend und nicht selten brennen Aktivisti schon nach wenigen Jahren aus, weil es keine bewussten Räume für die Verarbeitung der Ereignisse oder Erfahrungen und Erholung gibt.

Diese, unsere Transformation, die nötig ist, aber ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf. Wege zu finden, dafür, darin und damit langfristig aktiv und gesund zu bleiben, ist überlebenswichtig und mehr und mehr Menschen machen sich auf, diese Wege zu erforschen.

In Gemeinschaften haben Menschen schon teilweise jahrzehntelang neuartige soziale Gefüge aufgebaut und Erfahrung mit Traumatherapie, Beziehungsarbeit und Selbstfürsorge gesammelt. Genau diese Räume wollen nun immer mehr Gemeinschaften für Menschen, die gerade aus solchen akuten oder dauerhaft anstrengenden Aktionen kommen, für eine bestimmte Zeit öffnen. Ihnen werden in den Ökodörfern, Kommunen und Lebensgemeinschaften Unterstützung angeboten, um mit Erschöpfung, Traumatisierung und auch Repressionen umzugehen.

Die Idee vom Mai wurde auf verschiedenen Treffen im Sommer weiterbewegt und das Projekt hat sich mit zahlreichen Bewegungen und Organisationen zusammengeschlossen.

 

Fast außer Atem, hier im Stakkato ein kleiner Ausschnitt über die vielen, schnellen Bewegungen:
*Bislang haben sich 14 Wohnprojekte zu einer Kooperation bereit erklärt: Ohne Werbung hat sich unser Projekt „Zähne putzen“ per Mundpropaganda in vielen Kreisen verbreitet und wir bekommen täglich positive Resonanz. Menschen aus Bewegungen wie FridaysForFuture, Extinction Rebellion, Ende Gelände und die Metastruktur #By2020WeRiseUp sind genauso Teil unseres Teams oder in unserem Dunstkreis, wie mehrere Mitglieder des GEN Deutschland Lenkungskreises und auch von GEN Europe.
*Es gibt bereits eine Anfrage von der Oya und auf der Bewegungskonferenz im Oktober werden wir das Projekt vorstellen. Auch mit ähnlichen Bewegungen, wie z.B. ‚Nachhaltiger Aktivismus‘ sind wir in regem Austausch.
*Im Lebensbogen wird es im November ein Treffen geben, in dem sich Aktivisti mit erfahrenen Prozessbegleiter*innen erholen können, an guten Erholungsprozessen forschen und Konzepte dafür entwickeln werden.
*Es gibt Vernetzungsanfragen von der Seenotrettung und tollen Retreatorten (z.B. das Kanthaus in Leipzig, einem Mietshäusersyndikat-Projekt in Lüneburg, etc.). Schloss Tempelhof, das ZEGG und die Kommune Niederkaufungen sind als „Alte Hasen“ bzw. die „Großen“ der Gemeinschaftsszene inzwischen ebenfalls mit im Boot.
*Bei der IAA-Blockade Aktion „Sand im Getriebe“ im September stieß das „Zähne putzen-Projekt“ bei den ca. 1000 Teilnehmer*innen ebenso auf großes Interesse wie bei den vergangenen by2020 Treffen oder dem Utopival.
*Es startet das Kasseler Klimacamp (Ende September, Anm. d. Red.), wo das Projekt vorgestellt wird wie auch das Live-Treffen vieler Initiativen im Lebensbogen.

Auf dem Weg der Transformation schreiten wir, die Gesellschaft, oft fragend und „im Nebel“ voran. Wir wissen nicht, was den Wandel bringt oder bewirkt. Aber klar ist, dass wir einander brauchen und die unterschiedlichsten Ansätze verbinden müssen. Wir müssen die Zerstörung aufhalten, alternative Strukturen schaffen und einen Bewusstseinswandel bewirken. Es ist gut und richtig, dass Menschen gleichzeitig meditieren, sich an Bagger ketten und Ökodörfer gründen. „Zähne putzen“ ist ein konkretes Projekt, das nicht nur über Vernetzung spricht, sondern Vernetzung und Solidarität lebt.

Weitere Infos findet Ihr auf der Homepage: https://aktivisti-retreat.org/

Zähne putzen nicht vergessen!